Körperpsychotherapie ist aus der Psychotherapie entstanden und bezieht den Körper in den therapeutischen Prozess mit ein. Bei den herkömmlichen Methoden (mehr dazu hier) ist der Körper eine Art Instrument, mit dem man psychische Vorgänge und Inhalte aufdecken, verstehen und verändern kann, da sich diese im Körperausdruck (Krankheit, Haltung, Mimik, Gebärden usw.) widerspiegeln. In der Regel wird dabei nicht oder nur sehr wenig berührt, mehr geübt, gesprochen und gedeutet, unter Berücksichtigung und Einbeziehung des körperlichen Ausdrucks.

Dieser herkömmliche Ansatz der Körperpsychotherapie könnte gegebenenfalls einen gewissen Vorteil gegenüber den „normalen“ Psychotherapien haben, da dort der Körper bewusst kaum in den therapeutischen Prozess mit einbezogen wird. Oftmals haben jedoch die Psychotherapeuten die bessere Ausbildung; außerdem bestehen bei der Einbeziehung des Körpers eben auch gewisse Gefahren der Grenzüberschreitung, des Missbrauchs, der Retraumatisierung usw.

Beide Therapieformen sind m.E. insofern unvollständig, als dass sie, wie in einer Einbahnstraße, die Psyche als den Verursacher und den Körper als den reagierenden Part des Menschen betrachten. Das körperliche Asthma, die Herzneurose, der Reizdarm usw. sind dabei stets Folgeoder Ausdruckeiner psychischen Störung, Neurose oder ähnlichem. Löst man diese, verschwinden angeblich auch die körperlichen Symptome. Das stimmt allerdings so nicht, da sich das Gewebe, in dem die Erfahrungen ebenso abgespeichert sind wie im „reinen Geist“, nicht so schnell mitverändert.

Auf diese Weise werden die Patienten mit körperlichen Beschwerden, die der Arzt nicht abklären konnte, in die Psycho-Ecke gestellt und zur psychosomatischen Klinik oder zum Psychotherapeuten geschickt, falls sie nicht als Hypochonder abgestempelt werden (übrigens auch eine offizielle Diagnose „F 45.2“ im ICD-10). Die Diagnose „Somatoforme Störung“ (F 45), „Konversionsstörung“ oder die Einschätzung, der Patient „somatisiere“, trägt der Patient von nun an mit sich herum.

Helfen tut dies sicherlich nicht, zumal es dem Erleben vieler Patienten, die davon überzeugt sind, trotz negativem Arztbefund etwas „am Körper“ und nicht „an der Waffel“ zu haben, absolut widerspricht. Und oft, wenn auch vielleicht nicht immer, zu Recht.

Denn viele sogenannte psychosomatische, somatoforme, somatisierte und sogar etliche hypochondrische Störungen sind nämlich eben nicht (rein) psychisch verursacht, sondern Ergebnis von tatsächlichen Verspannungen in Muskulatur und Bindegewebe. Wie das funktioniert, erklärt Helga Pohl sehr gut auf ihrer Websiteund besonders eindrücklich in ihrem hervorragenden Artikel „Alles psychosomatisch?

Aus diesem Grund kann man über die körperliche Behandlung, vorausgesetzt man behandelt die richtigen Strukturen, nicht nur die vermeintlich psychosomatischen Erkrankungen behandeln, sondern sogar auch die daneben (nicht dahinter!) existierenden psychischen Beschwerden. Die Behandlung des Nackens kann so nicht nur die Kopfschmerzen, sondern auch die „schwarzen Gedanken“ beseitigen; die Behandlung des Zwerchfells kann nicht nur den Reizmagen bessern, sondern auch die Nervosität lindern usw.

Insofern ist die Körperpsychotherapie in meiner Praxis sehr konsequent am Körper orientiert. Flankierende psychotherapeutische Gespräche helfen dabei, Angewohnheiten im Alltag und in der Einstellung zu erkennen und zu verändern, die Veränderungen wahrzunehmen und sie schließlich zu stabilisieren.

Besonders geeignet ist diese Form der Körperpsychotherapie bei

  • Psychosomatischen Erkrankungen (nervöse Zuckungen, Schwindel, Tinnitus, Reizmagen und -darm, Herzneurose, Herzrhythmusstörungen, Asthma, Allergien, chronisch wiederkehrende Bronchitis, Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen, Prostatitis, Schlafstörungen und vieles mehr)
  • Depressionen, Antriebslosigkeit und Burnout
  • Ängsten und Phobien
  • Paruresis und Reizblase
  • Essstörungen
  • Sexuellen Störungen (erektile Dysfunktion, Frigidität, Schmerzen usw.)

Persönlichkeitsstörungen, bipolare Störungen und Schizophrenien werde ich ausschließlich in Begleitung und Absprache mit einer bereits angefangenen stationären oder ambulanten Psychotherapie behandeln. Hier müssten die Patienten ihre Behandler auf diese Möglichkeit der Kooperation hinweisen bzw. sprechen die Therapeut_innen mich direkt an. Dies gilt natürlich auch für alle anderen psychischen und psychosomatischen Erkrankungen.

Bitte fragen Sie auch bei weiteren Erkrankungen oder Störungsbildern nach, die hier nicht aufgeführt sind.