Der Patient* ist der Spezialist für die Empfindungen seines Körpers. Nur er weiß genau, wo ihm etwas weh tut bzw. wie es sich anfühlt, und das ist bei jedem ein bisschen anders. Es kann daher beim Erstgespräch und der Erhebung der Beschwerden der Patienten nicht um „Schubladen-Diagnostik“ gehen, sondern darum, sehr genau hinzuschauen, welche Stellen des Körpers wie betroffen sind, d.h. wie der Patient sich in seinem Körper fühlt.

Das gilt im Übrigen gleichermaßen auch für eine Reihe von psychischen Beschwerden, da diese ebenfalls meistens an mehr oder weniger klar umrissenen Stellen im Körper empfunden werden (Angst hat man bspw. oft im Bauch- oder Brustbereich, manchmal sitzt sie einem buchstäblich auch im Nacken usw.).

Oftmals ist es möglich, Beschwerden zu behandeln, auch wenn man bereits eine niederschmetternde schulmedizinische Diagnose erhalten hat, die das Problem für „unerklärlich“ oder „unbehandelbar“ erklärt hat. In der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl werden immerhin Strukturen behandelt, auf die Ärzte und Psychotherapeuten in der Regel nicht so sehr achten, die jedoch nicht selten ursächlich sind: verspannte Muskulatur und verspannt-verklebtes Bindegewebe.

In meiner Praxis besteht die Anamnese ferner darin, das konkrete Problem oder die Beschwerde der Patienten vor dem Hintergrund eines Bio-Psycho-Sozialen Modells zu erfassen und zu begreifen. Das heißt, dass ich davon ausgehe, dass es meistens körperliche, seelische und soziale (familiäre, gesellschaftliche, berufliche usw.) Ursachen für Beschwerden gibt. Der Mensch ist eben nicht nur Psyche, nicht nur Familie und nicht nur Körper, sondern stets eine Mischung aus alldem.

Über psychotherapeutische Gespräche können einige diese Ursachen herausgearbeitet werden. Allerdings liegt der Schwerpunkt meiner Arbeit darauf, den Körperzu verstehen und entsprechend zu behandeln. Denn fast alle Beschwerden haben körperliche Ausdrucksformen und die Behandlung des Körpers hilft oft auch, das psychologische Problem zu beseitigen. So schlägt Stress beispielsweise auf den Magen und eine sensomotorische Behandlung des Magens kann umgekehrt helfen, den Stress zu reduzieren usw.

Konkrete Diagnoseschritte sind:

  1. Selbstbeschreibung: der Patient erklärt, was er hat, wo er es hat, wann er es hat (und wann nicht), wie es sich anfühlt, was ihm hilft usw.
  2. Historisch-biografische Anamnese: Der Patient berichtet, wann es anfing, was er alles schon versucht hat usw.
  3. Visuell-strukturelle Haltungsanalyse: der Patient wird im Sitzen, Liegen, und Stehen angeschaut – chronische Kontraktionen zeigen sich meist schon von außen
  4. Visuell-funktionelle Bewegungsanalyse: der Patient wird im Gehen und in der Bewegung angeschaut – was kann sich gut bewegen, was nicht?
  5. Haptische Analyse: der Patient wird berührt, um Verspannungen aufzuspüren
  6. Befundanalyse: Arztberichte und sonstige Befunde werden gesichtet
  7. Ergonomieanalyse: Darstellung alltäglicher und beruflicher Situationen und Gegebenheiten wie Arbeitsplatz, typische Haltungen und Bewegungen usw.
  8. Psycho-Sozial-Familiale Analyse: Welche Faktoren aus Einstellungen, Idealen, Rollen, Verboten usw. könnten zusätzlich eine Rolle spielen?
  9. Informationsphase:der Therapeut bespricht mit dem Patienten Bilder und Videos, informiert über anatomische Strukturen und Zusammenhänge und man entwickelt gemeinsam einen Behandlungsplan.

Die Anamnese erfolgt im Erstgespräch. Dies findet nach Möglichkeit 120-minütig statt, damit man am Ende der Anamnese noch ein wenig behandeln kann und der Patient gleich zu Beginn die Methode und im besten Fall deren Effekte praktisch kennenlernt. Im weiteren Verlauf der Behandlung werden jedoch automatisch immer wieder kurze Nachanamnesen stattfinden, die Diagnose ggf. angepasst oder dem Patienten fällt plötzlich eine weitere alte Verletzung ein, die er am Anfang vergessen hatte usw.

 

* es wird der Lesbarkeit halber stets die männliche Form verwendet. Natürlich sind immer Patient undPatientin gemeint.